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Geschichte der Corps

Erstellt: Donnerstag, 11. September 2008 Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 10. Juli 2016 Veröffentlicht: Donnerstag, 11. September 2008 Geschrieben von Super User

Geschichte der Corps

Ein Abriss ihrer Geschichte

Die Wurzeln der modernen Studentenverbindungen reichen weit ins Mittelalter zurück. Einflüsse der alten Gilden und Zünfte sowie des Rittertums sind unverkennbar.

Universitäten

Die Universitäten entstanden aus Schulen der Theologie, des Rechts, der Medizin und der Philosophie. Universitas war die Gemeinschaft der Lehrer und Schüler. Die Unterrichtssprache war Latein.
Die ersten Universitäten entstanden in Italien: Salerno (um 1000), Parma (1065), Bologna (1119) und Padua (1222). Sehr frühe Gründungen von
Universitäten erfolgten auch in Frankreich: Paris (um 1150), Toulouse (1229), Montpellier (1289) und Avignon (1303). Alte Universitäten sind auch Oxford, (1163), Salamanca (1218) und Lissabon (1290). Im deutschen Sprachraum sind Prag (1348), Wien (1365), Heidelberg (1386), Köln (1388) und Erfurt (1392) die ältesten Gründungen. Die erste Universität im deutschen Sprachraum wurde 1348 in Prag vom Kaiser gestiftet.

Studenten - nationes - Landsmannschaften

Die Scholaren oder Studenten lebten im 14.-17 Jahrhundert in Bursen, von denen sich das Wort Burschen ableitet. Bursen waren Unterrichts- und Wohnräume, die von wohlhabenden Bürgern und Fürsten für ihre studierenden Landsleute mit ihrer Bursa oder Börse unterhalten wurden. Daraus entwickelte sich das landsmannschaftliche Zusammenleben der Studenten. Die Aufnahme neuer Mitglieder in eine Burse war in Statuten festgelegt. Der Neuling musste sich harten Prüfungen und groben Späßen unterziehen. Als Feix oder Fuchs (lateinisch faex = Bodensatz) wurden Neulinge oft behandelt wie Sklaven (Schuhe putzen, Wäsche waschen, Pfeife stopfen, Bier holen usw.) und musste Abgaben an die älteren Studenten leisten. Erst nach Ende des Fuchsenjahres und nach einem großen Trinkgelage wurde der Neuling gleichberechtigt.
In Italien und Frankreich entstanden an den alten Universitäten die "nationes", denen die Studenten der verschiedenen Regionen und Länder angehörten. Eine Deutsche Nation gab es an der Sorbonne in Paris schon um 1400. Die Nation bot ihren Landsleuten Schutz und Unterstützung, und es bestand Zwangsmitgliedschaft für jeden Landsmann.
Nach dem Verfall der Bursen im 17. Jahrhundert vereinigten sich die Studenten nach landsmannschaftlicher Herkunft und erlangten Einfluss an den Universitäten. Die Verwilderung des studentischen Lebens sowie das Trink- und Duellunwesen führten zum Verbot des Pennalismus Ende des 17. Jahrhunderts.

Orden, Logen und Landsmannschaften

Von England kamen um 1750 die Ideen der Freimaurer, die zur Bildung studentischer Orden und Logen an den Universitäten führten. Diese Logen an den Universitäten hatten als Geheimbünde eigene Bräuche und Gesetze. Es kam zum Niedergang der alten Landsmannschaften. Wegen der gegen die Autorität des absoluten Staates gerichteten Aktivitäten wurden die Freimaurerlogen verboten, so dass sie sich auflösten. Ihr Brauchtum beeinflussten die gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstehenden neuen studentischen Korporationen, zu denen neu gebildete Landsmannschaften, Corps und seit den Befreiungskriegen gegen Napoleon auch die Burschenschaften gehörten. Landsmannschaften prägten das Studentenleben besonders im 17. und 18. Jahrhundert.

Die ersten Corps

Um 1800 gewann eine neue Form studentischer Gemeinschaften an Einfluss:
Die Corps, ursprünglich als französischer Deck-Name, um sich vor der Verfolgung der napoleonischen Truppen zu schützen.
Von den Orden übernahmen sie die Idee des auf Lebenszeit geschlossenen Freundschaftsbundes, von den Landsmannschaften zunächst die landsmann¬schaftliche Herkunft. So erklären sich die Namen wie Corps Bavaria, Corps Franconia und Corps Saxonia.
Aus den farbenprächtigen Abzeichen der nationes, der alten Landsmannschaften und den Ordensbändern der studentischen Orden entstanden bei den Corps das noch heute übliche Brustband und die Studentenmütze.
Die Corps setzten auch das studentische Fechten fort. Das Fechten war seit Jahrhunderten in Deutschland Brauch. Aus dem ungeregelten, spontanen Zweikampf, dem Duell, entwickelten die Corps die Mensur, einen Wettstreit der Fechter nach verbindlichen Regeln.
Bereits die ersten Corps waren demokratisch aufgebaut. Die Entscheidungen wurden im Convent, der Versammlung aller Corpsangehörigen, getroffen. Zu Beginn eines jeden Semesters wählten die Mitglieder aus dem Kreise den Senior, der das Corps leitete und nach außen vertrat. Dieses demokratische Prinzip zeichnet die Corps bis heute aus.
Die Corps gewannen rasch an Einfluss an den Universitäten und stellten schließlich Regeln für das Zusammenleben aller Studenten aus, den Comment. Die Senioren der örtlichen Corps bildeten den Seniorenconvent. Er überwachte die Einhaltung des Comments und vertrat vielerorts die Studentenschaft gegenüber Behörden und Bürgern.
Mit den Freiheitskriegen gegen Napoleon wuchs in Deutschland die Begeisterung für die Einheit des Vaterlandes. Als neue Gemeinschaft, die In diesem Bestreben sämtliche Studenten an allen Universitäten umfassen wollte, gründete sich 1815 die erste Burschenschaft. Die Corps standen der Idee einer einheitlichen politischen Studentenschaft jedoch kritisch gegenüber und bewahrten ihre eigenständige Linie.
Dennoch traf das Verbot der Burschenschaften in den Karlsbader Beschlüssen von 1819 auch die Corps. In der Folgezeit lösten sich Phasen stillschweigender Duldung und scharfer Verfolgung ab.

Das älteste Corps

Als ältestes Corps gilt das Corps Onoldia, das 1798 in Erlangen' gegründet wurde und die erste Studentenverbindung neuer Prägung war, verglichen mit damaligen Geheimverbindungen und Landsmannschaften Schon vor über 200 Jahren spielten in dieser Korporation Vermögen, Herkunft, Nationalität, Religion, Rasse oder politische Einstellung keine Rolle. Vielmehr war diese Korporation von der Aufklärung und vom klassischen Idealismus geprägt. In der Verbindung mit Freunden standen außer der Geselligkeit, Bildung,' wissenschaftliches Streben, gegenseitige Hilfsbereitschaft und die Förderung der Persönlichkeit an oberster Stelle. Dabei galten gleiche Rechte und Pflichten für alle Mitglieder.
Die Mensur als Bewährungsprobe und zur Festigung des Zusammenhalts wird heute wie damals gepflegt. Das Corps Onoldia besteht heute seit über 200 Jahren und gehört dem Verband der Kösener Corpsstudenten (KSCV, über 20.000 Mitglieder) an.
Kaiserreich und Weimarer Republik
Nach 1848 erlebten die Corps einen starken Aufschwung. In dieser Zeit entstanden auch die bei den großen Corpsstudentischen Verbände: 1848 als Verband der Corps an den Universitäten der Kösener Senioren-Konvents¬-Verband, benannt nach dem Tagungsort Bad Kösen an der Saale; 1863 als Verband der Corps an den Technischen Hochschulen. der Weinheimer Senioren-Convent, benannt nach seinem Tagungsort Weinheim an der Bergstraße.
Im Kaiserreich erfuhren die Corps weite gesellschaftliche Anerkennung. Die weltanschauliche Offenheit und geistige Liberalität der Corps ermöglichten es, dass bedeutende Persönlichkeiten unterschiedlichster Prägung Corpsstudent sein konnten. Zu ihnen zählten zum Beispiel: Robert Schuhmann, Friedrich Hecker, Bischof von Ketteler, Gustav Freitag, Ludwig Thoma, Gottlieb Daimler, Wilhelm von Opel, Wilhelm Liebknecht und Otto Fürst von Bismarck.
Dem republikanischen Staat nach dem ersten Weltkrieg standen die Corps loyal gegenüber. In der Zeit der Weimarer Republik hatten die Corps den stärksten Zulauf seit ihrer Gründung.

Corps und Nationalsozialismus

Es ist unbestritten, dass Mitglieder der Corps, auch ganze Gemeinschaften, zur nationalsozialistischen Bewegung Hitlers sowohl positiv wie auch konträr eingestellt waren. Insofern waren die Corps nicht besser und nicht schlechter als andere Gruppen und Gemeinschaften in Deutschland Pro- und Contra¬-Meinungen führten zu Konflikten innerhalb der Corps, auch schon deshalb, weil mit dem Ermächtigungsgesetz der Widerspruch zum demokratischen Selbstverständnis der Corps offenkundig wurde So traf das Korporationsverbot der Nationalsozialisten im Jahre 1935 zuerst die Corps. Der Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944 gehörten zahlreiche Corpsstudenten an.
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